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Rain Sun Fiyah Ein Rückblick auf den 13. Chiemsee Reggae
Die Enttäuschung war groß, als die rund 22000 Besucher des diesjährigen CRS am Freitag aufstanden: Wolkenverhangene Berge, strömender Regen, das Festivalgelände mehr See als Wiese. Trotzdem war die Stimmung super, als Stitchie um 17:00 das Festival eröffnete. Er vertrat Richie Spice, der seine Europatournee leider aufgrund von Visaproblemen absagen musste. Eine gut aufgewärmte Massive empfing dann Mono & Nikitaman, die einen fulminanten Auftritt auf der Hauptbühne hinlegten. Deutscher Reggae muss nicht von Gentleman kommen, um gut zu sein! Ihre Forderung, Ganja endlich zu legalisieren, dürften die meisten Festivalbesucher unterstützen, und als Mono erzählte, ihr Bassist sei eine halbe Stunde lang von Zivilpolizisten gefilzt worden, pfiffen Tausende die Polizei aus. Mit Conscious Dancehall und Modern Roots brachte Capleton die Massive endgültig zum kochen. Abgelöst wurde er von Freundeskreis, die mit Joy Denalane angereist waren. Headliner des Abends war Alpha Blondy, der mit Songs aus seinem neuen, Ende September/Oktober erscheinenden Album begeisterte. Unter anderem spielte er eine Reggae-Version des Pink-Floyd-Klassikers „Wish you were here“, die ebenfalls auf dem neuen Album enthalten sein wird. Produziert wurde es von Tyrone Downie, Sly Dunbar spielt Drums, Robbie Shakespeare Bass. Alpha Blondy: „Das ist das beste Album, das ich je aufgenommen habe, vergleichbar nur mit Jerusalem!“ Noch dieses Jahr wird Alpha, seit 2005 Friedensbotschafter der UNO, eine Live-DVD in Paris aufnehmen.                           
Auch in der Zeltbühne war freitags einiges los. Neben Black Dillinger und Ganjaman gefielen besonders House of Riddim mit Nattyflo und Mellow Mark.
Am Samstag war das Wetter gut, auf Gummistiefel konnte schon fast verzichtet werden. Jahcoustix eröffnete den Festivaltag mit Dubios Neighbourhood. Weniger bekannt, aber nicht weniger gut war Nneka. Die 25-jährige Wahl-Hamburgerin wartete mit einer Mischung aus Soul, Reggae und Hip-Hop auf. Längst eine eigene Fangemeinde hat Babylon Circus aus Frankreich, die richtig Tempo und Stimmung machten. Bereits zum zweiten Mal musste Freddie McGregor auf dem CRS absagen, Jah Mason spielte für ihn. Ward21 brachte die Dancehall Massive zum kochen. Roots- und Raggamuffin-Freunde kamen bei Macka B auf ihre Kosten, dessen Teachings durch schöne Vibes der Royal Roots Band unterlegt wurden. Zum dritten Mal trat Hans Söllner mit Bayaman Sissdem auf dem CRS auf. Gerüchte, er dürfe in Übersee nicht mehr auftreten, widerlegte er auf einer Pressekonferenz. Bei keinem Artist waren dermaßen viele Zuschauer wie bei Gentleman, der einige Tunes aus seinem Ende August erscheinenden neuen Album vorstellte. Unser erster Eindruck: an „Trodin On“ und „Journey to Jah“ kann es nicht anschließen. Auf der Zeltbühne gefielen am Samstag besonders Sebastian Sturm, vielleicht die Entdeckung des Jahres, Elijah Prophet und Les Babacools.
Der Sonntag begann mit strahlendem Sonnenschein, wurde aber schon vormittags von Rauch überschattet: an einem an das Festivalgelände anschließenden Bauernhof brannten einige Hütten nieder. Da diese Benzin- und Dieseltanks enthielten, hätte beinahe das gesamte Festival evakuiert werden müssen. „More Fiyah!“ wurde zum Sparwitz des Tages.
Franziska, Sieger des European Reggae Contest, eröffneten den letzten Festivaltag. Von allen Locals heiß ersehnt wurde der Auftritt der Priener Band Sunrise Tribe, die zu Recht auf der Hauptbühne spielen durften. Von Sunrise Tribe wird man noch hören! Luna-Movie sprach nach dem Konzert mit ihnen, das Interview wird demnächst hier veröffentlicht. Ebenfalls zum ersten Mal auf der Hauptbühne war Martin Jondo, der im letzten Jahr das Zelt vollständig gefüllt hatte. Sein Album „Echo and Smoke“ war 2006 von den riddim-Lesern zum nationalen Album des Jahres gewählt worden.
Leider begann es dann, in Strömen zu regnen. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich das Festivalgelände in einen See. Trotzdem hatten auch Sergent García und Blumentopf ihr Publikum. Mit Yellowman gab es zum ersten Mal am Sonntag Musik aus Jamaica. Besonders hochkarätig ging es mit Max Romeo weiter, der zum ersten Mal seit 15 Jahren in Deutschland auftrat. Tausende Fans sangen seine Songs mit. Für einen würdigen Abschluss des 13. Chiemsee Reggae Summers sorgte Jimmy Cliff, der erste Reggae-Artist überhaupt.
Gut besetzt war auch die Zeltbühne. Mit Rico Rodriguez und Irie Revoltés spielten dort Artists, die in den vergangenen Jahren schon auf der Hauptbühne vertreten waren. Und wer nach Jimmy Cliff noch nicht genug hatte, konnte bis früh morgens das Festival bei den Sunshiners und Yellow Umbrella ausklingen lassen.
Ein gelungenes Festival, wir freuen uns schon auf nächstes Jahr! (VZ)