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Chiemsee Reggae Summer 2007
Als es am späten Donnerstagnachmittag begann, in Strömen zu regnen, schwante den bereits angereisten Festivalbesuchern nichts Gutes. Dementsprechend wurden alle das Wetter betreffende Erwartungen übertroffen: Zwar war das Gelände sehr matschig (wenn auch weniger als im letzten Jahr), aber zumindest Freitag und Samstag blieb der Regen aus. Erst Sonntagnachmittag regnete es dann wieder.
Für die dieses Jahr lediglich ca. 18000 Besucher begann das Festival dann am Freitag um 17:00h mit dem Auftritt von Matisyahu, der mehr Zuhörer hatte als Bambù Station, die nach ihm spielten. Mit der Saian Supa Crew folgte dann der erste Top Act des Tages. Mit einer absolut genialen Stage Show, geilem Sound und Beatboxeinlagen machten SSC ordentlich Stimmung. Besonders erwartet wurde natürlich der Auftritt von Culture, der, unter Führung von Afrique Kenyatta Hill, zu einer Memorial Show für den am Samstag zuvor in Berlin verstorbenen Frontmann der Band, Joseph Hill, wurde. Everton Blender, der mit Joseph Hill befreundet war, ließ es sich nicht nehmen, extra einen Tag früher anzureisen, um den Sohn seines verstorbenen Freundes zu unterstützen. Headliner des Tages war Seeed, die der Chiemsee Massive ordentlich einheizten.
Auf der Zeltbühne begeisterten freitags unter anderem Mono & Nikitaman und Mellow Mark.
Am Samstag ging es dann um 12:00h auf der Hauptbühne mit Apache Indian weiter. Von vielen Fans sehnlichst erwartet folgte dann Eek-A-Mouse. Das Mic ging dann an Everton Blender, der mit sehr guten Tunes aufwartete. Nach Roots & Dancehall made inna Jamdung präsentierte Tiken Jah Fakoly dann Reggae made inna Africa. Luna Movie hatte die Gelegenheit, nach seinem Auftritt mit ihm zu sprechen. Tiken, der aufgrund der politischen Situation in Cote d’Ivoire, seinem Heimatland, mittlerweile in Mali lebt, sagte, er wünsche sich, eines Tages ein großes Konzert in seiner Heimat zu geben, ähnlich dem One Love Peace Concert von Peter Tosh und Bob Marley 1976. Dafür sei die Zeit aber noch nicht reif. Eine oft behauptete Rivalität zwischen ihm und Alpha Blondy bestehe nicht.
Anschließend stellte Jan Delay sein neues Album „Mercedes Dance“ vor, welches er mit der Intention, das erste deutsche Album mit guter Tanzmusik herauszubringen, aufnahm. Ein weiteres Reggae-Album plant Jan nicht. Ein absolutes Highlight war dann der Auftritt von Chuck Fenda, der nur für dieses eine Konzert aus Jamaica angereist war. Mit Tunes aus seinem aktuellem Album „Better Days“ brachte der Poor People Defenda das Stimmungsbarometer bis zum Siedepunkt. Bestens aufgewärmt, war die Chiemsee Massive dann bereit für Mr Winston Rodney himself, the Burning Spear! Nicht nur dank des perfekt abgemixten Sounds riss er das Publikum mit.
Erwähnenswert sind mit Sicherheit auch noch die Auftritte von Roughhouse & KP Crew und Raggabund auf der Zeltbühne. Im Coke DJ-Culture Zelt heizte Dave Rodigan gewaltig ein.

Der letzte Tag des Festivals begann dann mit La Vela Puerca, der erfolgreichsten Band Uruguays. Nach Ska aus Lateinamerika gab es dann Dub und Ragga made in France, performed by Dub Incorporation. Zum dritten Mal in Folge beim CRS dabei waren Culcha Candela. Mit Israel Vibration trat dann wieder ein absolutes Highlight auf. Bereits seit 1976 aktiv, verstehen sie es immer noch, Stimmung zu machen. Das liegt zum einen daran, dass sie mit einer der besten Backing Bands der Welt, den Roots Radics, unterwegs sind, zum anderen an den beeindruckenden Stimmen von Wiss und Skelly sowie an den mitreißenden Tanzeinlagen der beiden von Polio gelähmten Rastas. Ebenso hochkarätig ging es dann weiter: The Upsetter Lee „Scratch“ Perry betrat die Bühne, mit einem roten Trolley in der Hand. Er performte unter anderem Songs von Bob Marley. Zur selben Zeit kochte das Stimmungsbarometer im gestopft vollen Zelt dank Martin Jondo, der eine fulminante Show ablieferte. Luna Movie besuchte ihn danach in seiner Garderobe. Bestens aufgelegt, erzählte er uns, wie dankbar er gegenüber Gentleman sei, der ihn sehr gepusht habe (Wer 2002 mit dabei war, wird sich sicher noch an „Rainbow Warrior“ erinnern können, dass er in Gentlemans Show sang). Dass er „Rainbow Warrior“ erst sehr viel später veröffentlichte, lag daran, dass er noch keinen geeigneten Producer gefunden hatte und außerdem noch mehr Material sammeln wollte. Martin hat im Juni sein erstes Album released und geht jetzt auf Tour, um es zu promoten. Er plant, seine Bühnenpräsenz auf ganz Europa auszuweiten, insbesondere auch nach Frankreich.
Auf der Hauptbühne ging das Programm dann mit Joy Denalane langsam dem Ende zu. Insbesondere Männerherzen dürften dabei höher geschlagen haben. Headliner des Tages war Steel Pulse. Trotz des starken Regens ließen sich viele Tausend Zuschauer von einer genialen Stage Show, Songs, die längst Klassiker sind und Songs aus dem aktuellen Album „African Holocaust“ mitreißen.
Wer danach noch Kraft genug hatte, konnte sich noch bis in die frühen Morgenstunden im Zelt verausgaben, unter anderem beim Auftritt von Jah Meek mit House of Riddims feat. Marlene Johnson.
Auch in diesem Jahr wieder war die Präsenz der Polizei (angeblich etwa 175 Beamte) völlig unangemessen. Mit Hunden und Zivilbeamten wurden Durchsuchungen durchgeführt. Die inhumanen Kontrollen wurden damit gerechtfertigt, dass man ein höchstmögliches Maß an Sicherheit gewährleisten wolle. Laut Festivalsprecher Michael Buchholz machten aber nicht die Kiffer, sondern die alkoholisierten Besucher Probleme.