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Alpha Blondy veröffentlicht erste DVD: "Live In Peace Tour"
1982 erschien sein erstes Album „Jah Glory“. 27 Jahre und unzählige Alben später folgt die erste offizielle DVD, „Live In Peace Tour“. Die ungewöhnlich lange Wartezeit hat sich gelohnt.

Erste Vorbereitungen für dieses Projekt liefen schon vor zwei Jahren. Nachdem Alpha die „Paris‘ Burnin‘“ DVD von Capleton gesehen hatte, war er so begeistert, dass er selber eine veröffentlichen wollte. Praktischerweise wird Alpha Blondy in Europa von Mediacom France gemanagt. Der Chef dieser Firma, Michel Jovanovic, hat bereits die besagte Capleton-DVD produziert. So führte eins zum anderen.

Ursprünglich wollte der Emperor of African Reggae seine erste DVD zuhause in Abidjan aufnehmen. Wohl aus technischen Gründen entschied er sich für das Zenith in Paris. Die legendäre Location bietet 6300 Zuschauern Platz. Kaum weniger dürften bei diesem zweistündigen Konzert am 07. Mai 2009 anwesend gewesen sein.

Die Setlist besteht aus 19 Tunes, eingeklammert von seinem bekannten Intro und Brigadier Sabari als dem üblichen Schlusspunkt. Alpha präsentiert eine ausgewogene Mischung aus Klassikern und Titel seines aktuellen Albums „Jah Victory“, die das Pariser Publikum mühelos mitsingt. Der Sound wirkt modern, frisch und rockig. Der Emperor gibt seinen hochtalentierten Musikern viel Gelegenheit, ihr außergewöhnliches Können in Soli zu zeigen.

Wie gewohnt eröffnet Alpha Blondy seine Show in andächtiger Atmosphäre mit „Psaume 23“. Mit „Jerusalem“ folgt einer seiner größten Klassiker. Auf „New Dawn“ folgt „Mister Grande Gueule“. Schön, dass „Sankara“, seine Ode an Capitaine Thomas Sankara, den „Che Guevara Afrikas“, nicht fehlt. Nach diesen drei rockigen Tunes wird es mit „Ikafo“ zunächst etwas ruhiger. „Masada“ ist ein weiterer Klassiker, dessen Zauber sich keiner entziehen kann. „Tampiri“ features Alphas Tourmanager Jamal Aatif an der Derbouka, dazu drei Bauchtänzerinnen, die den arabischen Touch des Tunes visuell untermalen. „Sweet Fanta Diallo“ und „Cocody Rock“ zählen zu den Hymnen Alphas, die wirklich jeder mitsingt. „Politiki“ ist mit einem kräftigen Schuss Rock gewürzt. Nach „Ne Tirez Pas Sur L’Ambulance“ folgt eine flammende, anklagende Rede für Frieden in der Welt. Alpha fordert von den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates die Einstellung des Waffenhandels. Musikalisch unterstreicht er seine Forderung mit „Peace In Liberia“. Dann verlässt das Solar System die Bühne. Alpha singt „Les Salauds“ a cappella mit Backgroundsängerin Lilia Rey. Als Zugabe gibt es eine Vorstellung der Band, bei der die 12-köpfige Formation ihr herausragendes Können prominent beweist. Alpha kommt zurück auf die Bühne, um „Sebe Allah Ye‘“ zu performen. Weiter geht es mit „Demain T’Appartient“, dass er gemeinsam – wie in der Album-Version – mit Lester Bilal singt. Der ungewöhnlich rockig klingende Tune ist mit Hip Hop aufgepeppt. Zu „Wish You Were Here“ spielt Mickael Cozien Dudelsack. Mit „Brigadier Sabari“ schließt Alpha die herausragende Show. Dazu kommt er im Boxoutfit inklusive Handschuhe on stage, um die Message dieses Klassikers zu untermalen – in „Brigadier Sabari“ geht es in humorvoller Weise um Polizeibrutalität.

Der Sound ist exzellent abgemischt und wird in 5.1 Surround Sound ausgegeben. Hervorragend sind auch die Lichteffekte – so aufwändige Lichtshows sieht man nicht oft auf Reggae-Konzerten. Abwechslungsreich geschnitten und aus vielfältigen Kameraperspektiven gedreht, bleibt viel von der einmaligen Ambiance eines Alpha-Blondy-Konzerts erhalten. Das Bildformat ist 16:9.

Eher mager ausgestattet ist die DVD in Sachen Extras. Als Bonus gibt es nur das Video zu „Demain T’Appartient“ und ein sehenswertes, französisches Interview, in dem Alpha aus seinem Leben erzählt und interessante Hintergrundstorys zu einigen seiner Tunes bietet.

„Live In Peace Tour“ ist sehr viel aufwändiger produziert als das Gros erhältlicher DVDs. Mit diesem Werk haben Alpha Blondy und Mediacom einen Standard gesetzt, der kaum übertroffen werden kann. Sie sollte in keiner Sammlung fehlen! (VZ)