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Konzertbericht: Alpha Blondy am 07.11.2009 im FZW, Dortmund

Nach der ekstatischen Show waren alle hochbegeistert, nicht zuletzt auch The Solar System. Einfach alles passte - die stimmige Location war mit 1400 Besuchern restlos ausverkauft, die Dortmunder Massive konnte nicht genug kriegen und die Interaktion zwischen Künstler und Publikum erreichte ein selten hohes Niveau.

The Solar System eröffnete die Show mit dem altbekannten, fulminanten Intro. Alpha Blondy setzte, für das Publikum noch nicht sichtbar, zu "Psaume 23" an. Als er die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Der zweite Teil der Worte aus dem Alten Testament ging im Gejubel des Publikums unter. Mit "Jerusalem" folgte einer seiner größten Klassiker. Trotz der teilweise in Hebräisch gehaltenen Lyrics singt die Massive mit. Bei "New Dawn" ist der Reggae Train längst in voller Fahrt. Der besonders rockig gehaltene Tune kommt bestens an. Alpha und Aboubass tanzen, scheinen sich gegenseitig hochzuschaukeln. "Ikafo" - übersetzt "Du hast gesagt" - ist der erste Tune aus seinem aktuellen Album "Jah Victory" an diesem Abend. Alpha verteilt Handshakes an die Die-Hard-Fans in der ersten Reihe.

"Mister Grande Gueule", ein auf den französischen Präsidenten Sarkozy gemünzter Tune, der in deutlicher Sprache gewissen Politikern nahelegt, die „Fresse zu halten, wenn sie nichts zu sagen haben“, wird textsicher von der Massive mitgesungen. In "Ne Tirez Pas Sur L'Ambulance" spricht Alpha, Friedensbotschafter der UN in Côte d'Ivoire, über Gefahren für den fragilen ivorischen Friedensprozess. Inbrünstig singt er den Titel, in der Hand die Fahne der Côte d'Ivoire, die er sich aus dem Publikum geliehen hat. Der Emperor of African Reggae ist jetzt in bester Form. Er wetzt über die Bühne, möchte für all seine Fans gleichermaßen da sein.

Bei seinem Klassiker "Sweet Fanta Diallo" kommt er so in Fahrt, dass er versehentlich das Mikrofonstativ umwirft. Zunehmend sieht man seiner Band an, wie sehr sie den Auftritt genießt. Spielfreude pur in allen Gesichtern. Auch "Masada" gehört zu den Klassikern, deren Lyrics alle beherrschen. Einem Zuschauer gelingt es, auf die Bühne zu klettern. Sofort ist Alphas Roadmanager Jamal Aatif zur Stelle. Alpha schickt ihn weg, zieht es vor, Arm in Arm mit dem strahlenden Gast zu singen. Noch höher steigt die Stimmung bei "Cocody Rock". Als Luftballons aus dem Publikum auf die Bühne fliegen, spielt er singend mit ihnen Fußball. Diese Show gefällt ihm spürbar. Als er seinem Gitarristen Djul versehentlich fast die Gitarre wegtritt, entfernt Jamal die Luftballons.

Ein weiterer Zuschauer schafft es, in den Fotograben zu klettern. Ehe die Securitys ihn entfernen können, zieht Alpha Blondy ihn zu sich auf die Bühne. Er ist in Topform, bestens aufgelegt, liebt den direkten Kontakt zu seinen Fans. Langsam wird ihm heiß, für "Politiki" zieht er seine Jacke aus. Auf einer Box stehend singt er den Tune so eindringlich, dass auch die nicht des Dyoula mächtigen Zuschauer die Basic Message und die Relevanz seines Anliegens verstehen. Gitarrist Big Mickey setzt mit seinem rockigen Solo einen schönen Akzent. Auch er wird später von dieser einzigartigen Show schwärmen. Und das will etwas heißen nach einer Welttournee!

Alpha gönnt der Band eine kurze Pause und wendet sich in eindringlichen Worten an sein Publikum. Er weist darauf hin, dass Frieden eine grundlegende Bedingung für die Realisierung der UN-Menschenrechte ist. Anklagend fordert er die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates auf, ihren Waffenhandel zu stoppen und endlich wirklich für Frieden zu sorgen, für weltweiten Frieden. Muslime, Juden und Christen glauben an ein und denselben Gott, so Blondy, und dieser Gott ist ein Gott des Friedens, der Toleranz und Vergebung. Mit "Peace in Liberia" untermalt er seine Botschaft musikalisch. Er zieht eine junge Frau auf die Bühne und singt den Song Arm in Arm mit ihr. Den musikalischen Höhepunkt des Tunes bildet Djuls Gitarrensolo. Da hat Alpha schon die Bühne verlassen. The Solar System folgt ihm. Natürlich hat das Publikum noch lange nicht genug. Der Saal tobt. Schließlich betritt Jamal die Bühne und stellt die Band vor, die einer nach dem anderen zurückkehrt. Lilia und Sophie, die beiden Background-Sängerinnen, singen einige Zeilen aus "The Heathen" als Reminiszenz an Bob Marley. Dann lädt Sophie das Publikum auf Deutsch zum Mitsingen ein. Ob man Alpha wirklich  noch einmal sehen wolle, fragt Jamal. Beeindruckend, wie laut alleine das Publikum auf der Empore ist. Alpha kommt zurück und begeistert mit seinem Pink-Floyd-Cover "Wish you were here". Beim Refrain fixiert er einzelne Zuschauer und zeigt durch Handbewegung, dass er sie gerne neben sich hätte. Nach dieser Show glaubt man es ihm sofort. Alpha bedankt sich auf Deutsch, auch sein "Ich liebe dich" fehlt nicht. Mit "Brigadier Sabari" schließt er die Show. The Solar System verneigt sich, und damit ist eine der besten Reggae-Shows vorbei, die es in diesem Jahr in Deutschland zu sehen gab. (VZ)