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Rototom Sunsplash
Mehr als vier Monate nach Organisationsbeginn stehen die ersten vielversprechenden musikalischen Verpflichtungen für die Urausgabe des Rototom Sunsplash in Spanien fest.
Nicht nur weil der Ursprung des Reggae auf dem afrikanischen Kontinent liegt, durfte Alpha Blondy dieses Jahr nicht fehlen - jener Musiker, der
mehr als jeder andere dazu beigetragen hat, den Reggae "back to the roots" - zurück zu seinen afrikanischen Wurzeln - zu führen. Während
eines langen Aufenthalts im New York der 60er Jahre, durch die Musik von Bob Marley und Burning Spear, entdeckt er einst seine Liebe zum Reggae,
kehrt jedoch an die Elfenbeinküste zurück, um durch Meisterwerke wie 'Cocody rock', 'Apartheid is nazism', 'Jerusalem' und 'Yitzak Rabin' eine Legende des afrikanischen Reggae zu werden.
Unter den ersten bestätigten Künstlern finden sich auch einige in historischer Hinsicht sehr bedeutende Namen:
Big Youth ist ein wahrer Pionier des Deejay Style, einer musikalischen Stilrichtung, bei der die Deejays die Gäste der Dancehall mit einem rhytmisch unterlegten Sprechgesang anfeuern. Der Deejay-Style gilt gemeinhein als Vorläufer des Rap in den USA. Der Mann mit den drei rot, gold und grünen Edelsteinen in seinen Schneidezähnen war zudem einer der ersten Musiker, der seine Dreadlocks in aller Öffentlichkeit zeigte und das Rastafari-Movement explizit in seinen Songtexten thematisierte; und
das noch vor dem großen Durchbruch Bob Marleys.
Bob Andy hingegen ist ein bedeutender Vertreter der berühmten 'Notensänger', die dem damals gerade erst entstandenen Reggaeriddim eine ordentliche Portion Soul versetzen. Zu Zeiten des Rocksteady Mitglied der legendären Paragons, legt er bei Studio One einen hervorragenden Alleingang als Sänger hin und geht mit seinen Songs wie 'Feeling soul', 'My time' oder 'I've got to go back home' in die Geschichte ein. Eine Menge einflussreicher Stimmen loben sein 'Songbook' als das beste jemals vom Plattenlabel Clement Coxsone Dodd produzierte Album.
Auf eine etwas jüngere aber ebenso glorreiche Vergangenheit blicken Aswad zurück. Die 'Löwen vom Ladbroke Grove' gehören zu den wichtigsten Namen der Geschichte des englischen Roots Reggae. In ihren Anfängen orientiert sich die Band sehr stark an den Wailers und geht daher mit Tönen eher sparsam um, produziert minimalistische und militant anmutende Tracks. Im Laufe der Zeit können sie ihr musikalisches Spektrum jedoch immer mehr ausbauen und bringen schließlich einige Roots-Klassiker hervor, die sich heute auf ihren Meisterwerken wie 'New Chapter' und 'Showcase' wiederfinden. An die absolute Spitze stürmen sie mit der Hymne 'Warrior Charge', die den Soundtrack zu 'Babylon' bereichert - der Sänger Brinsley Forde ist zugleich Protagonist des Filmes. In den 80er und 90er Jahren nimmt ihre Musik charakteristische Züge von Dancehall und Soul an, wobei sie dennoch nie die grundlegende Verbissenheit verliert.