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Das Größte Reggae Festival Europas
...mit 29000 Besuchern, fand vom 27. August bis 29. August im Süden Bayerns in Übersee statt. Im Vorfeld gab es Proteste und Boykottaufrufe wegen des Auftrittes von Sizzla Kalonji bezüglich homophober Äußerungen und Texten des umstrittenen Dancehall Reggae Künstlers. Dies führte letztendlich zur Absage der Show. Kurzfristig konnte Busy Signal als Ersatz verpflichtet werden.

Tag 1
Das 3-Tage Festival wurde durch die Blaskapelle Übersee-Feldwies eröffnet, die als Abschluß ihrer Festwoche als „Opener“ spielen durften. Direkt danach kam mit Ziggi & the Renaissance Band, der erste wirkliche Reggae-Act auf die Festivalbühne. Der auf den Niederländischen Antillen aufgewachsene Holländer spielte ein solides Set mit einer „Lovers Rock“ Version von Santana`s „Black Magic Woman“. Während Ziggi die Frauen mit seinem Hit „Need to tell you this“ aus dem Jahre 2008 in den ersten Reihen verzauberte, merkte man das es wohl wieder ein typischer Chiemsee Reggae Summer werden würde.
Eiskalte Temperaturen und Matschwetter waren das Programm des Wettergottes, aber nicht das der Besucher. Diese ließen sich nicht durch die Kälte und den Regen abbringen Martin Jondo zu feiern. Besonders seine Hymne „Rainbow Warrior“ brachte die Wärme ins Herz. Ganz schön warm wurde einem bei der neuseeländischen Formation Fat Freddy`s Drop die eine enorm temporeiche Show hinlegten.
Der gläubige Bobo Ashanti Anthony B. begann mit einem Intro seines Mentors Peter Tosh, dem Klassiker „Equal Rights“. Damit war der Weg frei für weitere Hits wie zum Beispiel Ini Kamoze`s Tune „World a Music“, der lauthals von den Fans mitgesungen wurde. „Raid di Barn“ und „Waan back“ konnten dann das Feuer bei den Fans so richtig entfachen.
Nur die Umbauphase auf der Hauptbühne gönnte dem Publikum eine kleine Verschnaufpause.
Gentleman, der Headliner des ersten Abends, hatte von Anfang an die Masse im Griff. Bei „To the Top“ kannten dann auch die tanzmüden kein Halten mehr. Am Rande wies er nochmal auf die Situation rund um die gestrichene Show von Sizzla hin. Als Anthony B. schließlich nochmal die Bühne betrat um mit Gentleman den Song „Face off“ zu singen waren alle am Jubeln. Mit diesem und den anderen Festival-Auftritten hat Gentleman bewiesen das er in der Riege der absoluten Reggae-Top-Acts angekommen ist.
Ein kleiner Teil der Zuschauer fand sich danach noch vor der Zeltbühne wieder. Der Newcomer Cornadoor aus Köln begeisterte mit Songs aus seinem Debut-Album „Without Restrictions. Er gilt als die deutsche Reggae Entdeckung des Jahres 2010. Kehraus war dann zu späteren Stunde mit Shantel & Bucovina Club

Tag 2
Nachdem Jamaram bis nach Uganda kamen um dort zu spielen, war für sie die Anreise aus München zum Chiemsee quasi ein Katzensprung. Die 8-köpfige Band um Sänger Tom Lugo machte dem Feiervolk ordentlich Beine und vertrieb die klamme Kälte aus deren Gliedern. Jahcoustix der ebenfalls aus München kommt gab mit seinem schwungvollen Soul-Reggae einen kleinen Vorgeschmack auf sein demnächst erscheinendes Album „Crossroads“.
Fantan Mojah betrat die Bühne bei Regen und er schaffte es die Sonne für kurze Zeit hervorzulocken. Der Mann mit dem Rucksack und der „Löwenklaue“ bestellte Grüße an die Fans von Sizzla, da er mit diesem einen Tag zuvor telefoniert habe und Sizzla versprochen hat beimnächsten Mal dabei zu sein. Während Culcha Candela einen großen Teil der Reggaeliebhaber begeisterte, fand sich doch noch eine stattliche Menge an Fans im Zelt ein. Dort stellte der Wahlmünchner Uwe Kaa Tracks aus seinem bald erscheinenden neuen Longplayer vor. Doreen Shaffer, die Queen of Jamaican Ska, Gründungsmitglied der legendären Skatalites, sorgte mit ihrem Schwung und ihrer einfühlsamen Stimme für eins der besten Konzerte beim Chiemsee Reggae Summer. Nach Auftritten von Jah Mason und Fettes Brot fieberte man dem Höhepunkt des Samstages entgegen. Alpha Blondy & Solar System. Der Anfang seiner Show mit dem fantastischem Intro „Psalm 23“ das in ein bejubeltes „Jerusalem“ wechselt, wird durch die hervorragenden Musiker von Solar System mehr als unterstrichen. Alpha Blondy war schon etliche Male am Chiemsee Reggae Summer, so wußte er es auch wie man die Restenergie der Fans aktivieren konnte. Songs wie „Politiqui“ oder „Cocody Rock“ wurden lauthals vom Publikum begleitet. Nach diesem schweren Brocken war auf der Hauptbühne erstmal Schluß. Wer noch nicht genug hatte pilgerte zur Zeltbühne. Hier gab ?s zwar noch kein Frühstück aber bei Ganjaman und Uwe Banton viel Liebe und gute Vibes. Die beiden haben eine erfolgreiche Festival Saison mit ihrer“Früchstücksshow“ hinter sich. Und nun wurde nochmal nachgelegt bis in die Morgenstunden.

Tag 3
Marlene Johnson mit House of Riddim waren der knapp organisierte Ersatz für The Wailers. Einige Zeit ließ sich die Sonne am Himmel sehn und schlagartig herrschte Gute Laune. Für House of Riddim war es die 4. Show bei diesem Chiemsee Reggae Summer. Sam Gilly und sein House of Riddim spielten für Fantan Mojah, Jah Mason, Ganjaman & Uwe Banton
Nachdem der Hamburger Rapper Samy Deluxe ohne Regen sondern mit Sonne und etwas wärmeren Temperaturen die Hip-Hop – Reggae Gemeinde auf weitere Höhepunkte des Tages einstimmte, war es endlich Zeit für Alborosie. Der Italienische Wahl-Jamaikaner der seine „Rasta- Pasta“ mit Tomatensauce und viel viel Käse isst, konnte auf lauthalse Unterstüzung bei den Songs „Herbalist“ oder „Rastafari Anthem“ zählen. Puppa Albo wie er sich selber manchmal nennt versteht es vollkommen die Stimmung auf einem hohen Niveau zu halten.
Stimmungsvoll war auch der Auftritt von Mono & Nikitaman. Obwohl die beiden vor kurzen nach Berlin gezogen sind, haben sie doch hier in Südbayern und Österreich den größten Anteil an Fans. Sie bedanken sich mit energigeladenen Shows und vielen positiven Vibes.
Pünktlich um 21:30 Uhr betrat dann Busy Signal die Hauptbühne. Der aus Spanien eingeflogene Ersatz für Sizzla Kalonji. Er mußte leider mit weniger Publikum zurechtkommen als Mono & Nikitaman. Das mag zu einem an der nun sehr kalten Witterung zum Anderen an der großen Entäuschung über die Absage des Sizzla Auftrittes liegen. Busy jedenfalls lies es sich nicht anmerken und bewies der Massive mit temporeichen Einsatz das er ein würdiger Ersatz ist. Gegen 23:30uhr war auf der Hauptbühne dann für dieses Jahr Schluß und man hatte noch Gelegenheit die Auftritte von Omar Perry (Lee Perry`s Sohn), Berlin Boom Orchester und der bayerischen Kultband Weißwurscht`is bis zum Kehraus zu tanzen.
Fazit eines friedvollen Festivals ohne angekündigte Proteste und Demonstrationen ist, dass die Besucher sich mit der unsicheren Wetterlage arrangiert haben. Die meisten waren schonmal dort und sind somit auf fast alles vorbereitet. Alles in allem war es eine schöne Zeit die man mit 70 Bands, Künstlern, Sounds und 29000 Besucher verbracht hat.
Das Datum für den Chiemsee Reggae Summer 2011 steht auch schon fest. Vom 26. August bis zum 28. August. Natürlich wieder in Übersee. Die Frühbucher – Aktion geht bis zum 30.09.2010 und ist sehr günstig. Mehr dazu auf: www.chiemsee-reggae.de
(Björn Fehrensen)